Grosshorn (3754m)

11./12. 8. 2001

Der Himmel stand voller Sterne und im Westen gingen unzählige Sternschnuppen nieder. Ohne Stirnlampen konnten wir um 4:30 Uhr den Aufstieg beginnen, so hell schien der Mond in dieser klaren Nacht. Wir, das sind: Philip, Jonas, Renate, Hansueli, Theo, Gilbert und der Tourenleiter.

Der Aufstieg von der Anenhütte (2355m) im Lötschental führte uns zuerst über die Moräne auf den Anungletscher. Der Pfad auf dem Moränenkamm war so steil, dass bestimmt niemand mehr über verspannte Wadenmuskeln zu klagen hatte.

Nach einer Stunde wurde angeseilt und die Steigeisen montiert. Erfrischt mit einem Schluck Tee betraten wir den Gletscher. Der Schnee war durch die nächtliche Abkühlung beinhart gefroren, so dass wir rasch an Höhe gewannen. Am Fuss des Couloirs, welches zem hindri Ligg (3018m) hinauf führt, verkürzten wir das Seil und erklommen dieses Hindernis über Schutt und lose Felsen.

Danach war genüssliches Steigen angesagt über den breiten Gletscherrücken, vorbei an mächtigen Eisbrüchen und mit immer packenderer Aussicht auf die umliegenden Berge. Eindrücklich auch der Blick in die eisgepanzerten Kessel links und rechts. Auf 3300m und nach rund 3 ½ Stunden war es Zeit, etwas für den Magen zu tun Ė wir schalteten eine ausgiebige Rast ein.

Von nun an wurde es spannend! Immer steiler wurde die Flanke, die auf den Grat hinauf führte. Dieser war schmal und häufig reckte sich eine tückische Wächte nach Osten und verbreiterte den Grat trügerisch. In respektvollem Abstand stiegen wir links davon bergwärts. Der Firn wurde immer wieder von Felsbändern und -türmen unterbrochen. Diese wurden von allen mit grosser Routine überklettert. Die letzen Seillängen vor dem Gipfel waren nichts mehr für schwache Nerven. Links stürzte die Firnflanke 60 Grad steil nach unten um über einer Felswand ins bodenlose überzugehen.

Schlussendlich erreichten wir um genau 10:30 Uhr den Gipfel auf 3754m. Dieser war so klein und steil, dass wir uns nicht einmal alle gegenseitig gratulieren konnten. Von der Jungfrau über Mönch, Finsteraarhorn, Aletschhorn, Monte Rosa und Pigne dĎArolla bis hinüber zum Mont Blanc war alles versammelt, was es in den Alpen zu sehen gibt. Unbeschreiblich ist das Hochgefühl, welches einen in so einem Moment befällt! Auch ein Blick nach Hause war möglich - die Dampffahne von Gösgen wies uns den Weg!

Nach unserm Lied Alpino begann äusserst vorsichtig der Abstieg. Dank der schattseitigen Lage war der Firn noch immer hart und die Steigeisen griffen gut. Nachdem die steilsten Stellen passiert waren, konnten wir gut gelaunt Mittagsrast machen. Dass der Tourenleiter seine Schockolade auf eine ungebremste Rutschpartie schickte und folgedessen ohne Dessert auskommen musste, sei nur am Rande erwähnt. Der weitere Abstieg bis zum Couloir machte deutlich, wie wichtig am Morgen ein früher Start ist. Der Schnee wurde immer weicher, was dazu führte, dass eine kleine, unfreiwillige Rutschpartie eingelegt wurde.

Gesund trafen um 13:15 Uhr alle in der Anenhütte ein. Die Hüttenwartin hatte für unser ruhiges und ordentliches Verhalten vom Morgen und das Abräumen des Geschirrs ein Kompliment parat.

So brachen wir um 13:50 Uhr auf und freuten uns auf einen gemütlichen Marsch zur Fafleralp. Unterwegs stiessen wir auf ein älteres Ehepaar. Die Frau war gestolpert und ihr Fuss war dermassen zur Seite geknickt, dass sie unmöglich selber weiter gehen konnte. Mit Gilbertís Handy konnten wir die Rega alarmieren. Nachdem wir geholfen hatten, die Frau in den schwebenden Heli der Air Zermatt zu verladen, setzten wir unsern Abstieg mit etlicher Verspätung fort. Was sollís - vielleicht sind wir selber einmal froh um Hilfe.

Gesund und um eine herrliche Tour reicher trafen wir in Mägenwil ein!

Danke allen Teilnehmern, mir hat es Spass gemacht.
Markus

Eine Tour der Natufreunde Maiengrün