Kulturweg Alpen
Etappe Montreux - Sachseln

21. - 30. 9. 2001

So habe ich noch nie geschwitzt - dieser Seufzer war mehr als einmal zu vernehmen, als wir die tropisch anmutende Schlucht oberhalb Montreux gegen Les Avants hinauf marschierten. Die steilen Hänge waren von Farnen bedeckt wie mit einem grünen Teppich und die Luft hing feucht über dem Bach. Sogar die Felswände waren nass, als ob auch diese schwitzten.

Wir waren 10 Personen, die Theo auf den Kulturweg der Alpen gefolgt waren. Er hatte uns seinen Plan schmackhaft machen können, von Montreux in 10 Tagen nach Sachseln zu wandern. 10 Tage, in denen wir verschiedene Landschaften, Dörfer und Kulturen antreffen sollten, Täler zu durchqueren hatten und mancher Bergrücken zu bezwingen war. 9 Nächte, die wir in einer SAC-Hütte, Gasthöfen oder Hotels verbrachten - bei selbst gekochtem Nachtessen oder "glustigem" von der Speisekarte.

Als wir am ersten Abend in der SAC-Hütte auf dem Col de Jaman das Feuer im Ofen endlich entfacht hatten und sich die Stube mit Wärme füllte, waren die Strapazen vom Tag schnell vergessen. Einen kurzen Moment entstand eine dramatische Spannung in der Hütte, als das von der nicht anwesenden Hüttenwartin versprochene Bier nicht aufzufinden war. Man war durstig und zeigte entsprechend Ausdauer beim Suchen und so stiessen wir doch noch auf den Durstlöscher.

Die drei Frauen unter uns, Margrit, Renate und Susi, waren nicht aus der Küche zu vertreiben. Sie zauberten ein herrliches Nachtessen auf den Tisch, was daran zu erkennen war, dass es der einzig stille Moment des Abends blieb. Sonst wurde geplaudert und gesungen - ein wahrlich gemütlicher Hüttenabend. Gekrönt wurde dieser Tag mit einem spektakulären Sonnenuntergang über dem Genfersee und danach einem herrlichen Blick auf die Lichter der nächtlich beleuchteten Dörfer und Städte rund um den See.

Ein Start nach Mass!

Nach der Etappe von Montreux auf den Col de Jaman ging es weiter nach Chateau d'Oex - Abländschen - Reidenbach - Merligen - Innereriz - Bumbach - Flühli im Entlebuch - Giswil und zuletzt Sachseln.

Im Abstieg nach Montbovon begegneten wir einem Alpabtrieb. Wir hatten kaum Zeit, die wunderschön geschmückten Kühe zu bewundern. Diese zeigten einen solchen Eifer, das Tal zu erreichen, dass sie uns fast überrannten.

Ab und an genehmigten wir uns auch ein Most in einem Restaurant - auch das gehört zur Kultur. Auf dem Rellerligrat hatten wir Glück; wir wurden von einer Ländlerkapelle unterhalten. Der Weg von dort führte durch hübsche Landschaften. An diesem Tag waren wir meist in Begleitung von Regen und Nebel. Das tat der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil: Wir amüsierten uns köstlich über die bis zu den Knien verschmutzten Hosen von Margrit und Harry. Es war an diesem Abend, da Bruni im Restaurant sein Können beim Bier-Zapfen unter Beweis stellte.

Nach der Schiffahrt von Spiez nach Merligen überraschten uns Helen und Lucia mit Früchten und Mohrenköpfen. Sie waren gekommen, um uns frische Wäsche zu bringen und im Gegenzug miefende Bündel mit nach Hause zu nehmen.

Beim Aufstieg von Merligen auf die Sichel lieferten sich Renate, Hans-Ueli und Gilbert ein heftiges Duell. Wer würde wohl zuerst den Pass erreichen? Verfolgt von den wachsamen Blicken von Adler und Hirschen war es schlussendlich Gilbert, der den Sieg davon trug - nicht umsonst ist er unser Präsident.

Die Königsetappe von Innereriz auf den Hohgant und hinunter nach Bumbach verdiente den Namen in vielerlei Hinsicht. Einerseits war es die längste Etappe, andererseits hatte Theo das mit der Aussicht einmalig organisiert. Da spannte sich der ganze Alpenbogen vom Säntis über die Zentralschweizer Berge, das Dreigestirn der Berner Alpen Eiger, Mönch und Jungfrau - bis hinüber zum Diablerets. Zudem schien die Sonne und es war angenehm warm. Dies genossen wohl auch die Steinböcke, die wir dort antrafen. Das Lied 'Alpino' passte genau zur aufgeräumten Stimmung - und ein einsamer Zuhörer applaudierte. Pech nur, dass der kürzeste Weg nach Bumbach gesperrt war. So machten wir halt den Umweg über Kemmeribodenbad.

Auf dem Weg von Bumbach nach Flühli war es endlich so warm, dass einige den Mut hatten, auf kurze Hosen umzustellen. Einzig Bäre hatte die ganzen 10 Tage die Hosen hochgekrempelt. Bei den verschiedenen Anstiegen auf Gipfel und Grate schlug wohl dem einen oder andern der Puls etwas heftiger. Doch bei keinem ging er wohl so hoch wie bei Susi, als in Flühli in der Kurve neben ihr ein schweres Motorrad ausglitt und scheppernd auf die andere Strassenseite schlitterte.

Die letzte Nacht in Giswil war die gediegenste. Ein feines Nachtessen war der Rahmen für einen würdigen letzten Abend. Wir hatten 9 schöne Tage erlebt - der noch ausstehende 10. würde daran nichts mehr ändern. Alle Teilnehmer trugen ihren Anteil dazu bei, dass die Stimmung stets heiter und die Kameradschaft freundschaftlich war.

Insgesamt waren wir 51 Stunden und 15 Minuten unterwegs. Wir haben 165 Kilometer (Luftlinie) zurückgelegt und sind dabei 8590 Meter auf- und 8259 Meter abgestiegen. Nicht übel! Diese Zahlen verdanken wir übrigens unserem gewissenhaften Statistiker Harry.

Was Theo angeht, gibt es nicht viel zu sagen - jedenfalls nichts schlechtes. Er leitete die Tour mit Umsicht,  wusste stets, wo wir uns befanden, traf jeden Abend das richtige Ziel und überhaupt war alles perfekt organisiert. Für uns Teilnehmer blieb nichts als zu geniessen - an A bis Z!

Herzlichen Dank für deine Arbeit! Und falls du wieder mal zu einer solchen Tour rufst.......

Markus
 

Eine Tour der Naturfreunde Maiengrün