Rheinwaldhorn oder Adula (3402.2m)

25./26. 8. 2001

Ein etwas lang geratener Tourenbericht in zwei Kapiteln!

1. Die Anreise

Wir hatten am Samstag den Gotthard zu meistern. Wie immer am Wochenende bildete sich vor der Röhre schon am Morgen ein Stau, sodass wir beschlossen, die Autobahn in Wassen zu verlassen um über den Oberalp und Lukmanier unser Ziel zu erreichen den Luzzone Stausee. Doch schon in Wassen nahm das Abenteuer seinen Anfang. Anstatt auf der Ausfahrt landeten wir auf einem Rastplatz gleich hinter einem Tunnel. Beim zweiten Anlauf klappte es dann.

In Göschenen schlugen wir auf dem Kreisel die Richtung zum Dorf ein, den Wegweiser nach Andermatt, der in eine andere Richtung zeigte, einfach ignorierend. Im Dorf Göschenen dann standen wir vor dem Aus die Strasse nach Andermatt war gesperrt. Also ging es zurück zum Kreisel und wie der Wegweiser Andermatt richtig zeigte, gibt es eine neue Umfahrungsstrasse, die Göschenen rechts liegen lässt.

Kaum richtig in die Schöllenen-Schlucht eingetaucht standen wir auch schon im Stau. Bis zu den obersten Kehren die wir einsehen konnten, stand der Verkehr still für mich echt ein Novum an dieser Stelle. Nach fast einer Stunde überquerten wir dann endlich die Teufelsbrücke. Dort war die Gebirgskampftruppe der Armee am abseilen und ich könnte mir vorstellen, dass das die Autofahrer so abgelenkt hat, dass es zum Stau kam. Andere Anzeichen dafür gab es nämlich keine.

Nach einem Halt auf dem Oberalppass erreichten wir doch endlich den Luzzone Stausee. Irgendwo jenseits der aufgestockten, mächtigen Staumauer musste die Strasse weiterführen. Uns oblag nun die Aufgabe, den richtigen Weg, sprich den richtigen Tunnel zu finden davon gab es immerhin 4 (vier). Der erste führte in die Staumauer hinein und hatte ein Lichtsignal. Was hatte ein gewöhnlicher Tourist schon in der Staumauer verloren? Weiter zu Nummer 2. Da landetet wir auf dem Parkplatz des Restaurants, einer Sackgasse. Nummer 3 führte uns auf die Aussichtsterrasse über der Mauer. Sackgasse wie vorher. Nun konnte uns nur noch die Nummer 4 weiter helfen. Und tatsächlich führte dieser auf die Staumauer, die wir dann auch überquerten. Jenseits führte die Strasse in einen Tunnel und machte darin gleich mehrmals eine Linkskurve, was uns bereits stutzig machte. Nach ca. einem Kilometer war der Tunnel zu Ende und wir waren am Ufer des Luzzone Stausees angelangt. Da wollten wir aber partout nicht hin. Umkehren hatten wir nun wirklich schon ganz toll im Griff, so dass es auch diesmal keine Probleme machte. Theo war es dann, der die Idee hatte, es könnte doch die Nummer 1 gewesen sein, das auf der alten Kronenhöhe durch die Maurer führt. Als die Ampel auf grün wechselte tauchten wir in die Staumauer ein und landeten wie gewünscht auf der schmalen Bergstrasse, die zum oberen Tunnel hinauf führte.

Wir waren wieder auf dem Weg aber noch nicht am Ziel. Auf der beinahe überhängenden, schmalen Strasse kam uns ein Schilter entgegen, voll beladen mit Heu. Nun begann ein abenteuerliches Ausweichmanöver mit Rückwärtsfahren, Plätze tauschen etc. Endlich standen wir vor dem letzen Loch. Dieses war so schmal, dass man auf beiden Seiten des Autos die Tunnelwand berühren konnte, ohne die Arme ganz ausstrecken zu müssen. Wir waren echt erleichtert, als die Chauffeure die Fahrzeuge auf dem Parkplatz beim kleinen Stausee im Val di Carassino abstellen konnten.

2. Die Tour

Ja genau, wir waren ja eigentlich hierher gekommen um den höchsten Tessiner, den Berg mit der Aussicht wie vom Monte-Rosa, zu besteigen.

Vom Parkplatz zog sich das Val di Carassino unendlich lang und fast ohne Steigung bis zur Capanna Adula CAS und die Sonne überzog das Land mit einer fast unerträglichen Wärme. Nach der mit der Autofahrt verlorenen Zeit wollten alle so schnell wie möglich die Hütte erreichen. So standen wir bereits nach 2 ¼ Std bei der wunderschön gelegenen Capanna Adula UTOE. Auf dem Weg hatten wir Unmengen Wasser ausgeschwitzt, dieses musste nun ersetzt werden. Das Bier schmeckt in solchen Momenten noch besser als üblich.

Der Hüttenwart machte auf stur und war nicht bereit, das Frühstück vor 6:30 Uhr zu bereiten. So standen wir denn nach einer unüblich langen Nachtruhe auf und machten uns auf den Weg über die Moräne auf den Gletscher. Zwei kräftige Steinböcke lenkten uns schon kurz über der Hütte vom Chrampf ab.

Wir bildeten zwei 3er-Seilschaften und marschierten los. Der Schnee war gut, die Neigung des Gletschers angenehm und immer mehr Berge durchbrachen die Dunstschicht. Nach der Querung des Grates unterhalb des Gipfels trennte uns nur noch eine etwas steilere Flanke von diesem. Knapp drei Stunden nach dem verlassen der Hütte standen wir auf dem Rheinwaldhorn, dem Ursprung des Rheines.

Nach Osten hin behinderten viele Wolken die Sicht. Der Ausblick auf die Zentralschweizer-, Berner- und Walliser-Alpen belegten aber den Ruf als herausragender Aussichtsberg. Es war windstill und herrlich warm. Genüsslich stärkten wir uns auf dem Gipfel und genossen diesen schönen Moment.

Den Abstieg über Gletscher und Firn brachten wir wie ein Neigezug hinter uns, aber ohne dessen Probleme mit verlorenen Schrauben. Da und dort war durch das Aufwärmen der Schneedecke bereits Vorsicht geboten, wenn es galt, eine Gletscherspalte zu überqueren.

Bei der Hütte musste nochmals der Durst gestillt werden, bevor wir den Abstieg begannen. Das gemeinste an dieser Tour war, dass der lange, flache Talboden heute doppelt so lang war als noch gestern beim Aufstieg. Da uns jedoch viele gut geschminkte Tessinerinnen begegneten, ging auch diese Zeit halbwegs kurzweilig vorbei.

Die Heimfahrt verlief vergleichsweise ereignislos (vergleiche Kapitel die Anreise).

Für die meisten ist die Tour beim Auto jeweils zu Ende. Nicht jedoch für die Fahrer. Einmal sind es Theo und Hansueli, ein andermal Gilbert oder Bäre. Diese haben die Aufgabe, nach einer schweren Tour die schlafenden Mitfahrer gesund nach Hause zu bringen. Ihnen gebührt besonderer Dank und Respekt.

Damit ist die Hochtourensaison der Naturfreunde Maiengrün für dieses Jahr zu Ende. Das Jahresprogramm bietet noch viele andere Anlässe. Drum lasst uns gehen im wahrsten Sinne des Wortes.
 

Herzlichen Dank,
Markus

Eine Tour der Natufreunde Maiengrün