Eine Tour der Naturfreunde Maiengrün

Wanderwoche Brig – Zermatt
der Naturfreunde Maiengrün
vom 17.- 24. August 2002
 

Ich habe schon viele Wanderungen erlebt, aber mit solch einer harmonischen Gruppe war ich wirklich noch nie unterwegs.
Acht Tage waren wir zusammen, fünf davon mit  Wanderungen zwischen fünf und sieben Stunden. An  allen Wandertagen war während der ganzen Marschzeit eine saubere Kolonne in meinem Rücken. Stellt euch vor, es war auch jedesmal ein Lächeln auf ihren Gesichtern, wenn ich zurückschaute. Dies bei Total 29 Stunden Marschzeit, 4602 Metern aufwärts und 3997 Metern abwärts. Und ich kann allen sagen, es ging wirklich rauf und runter bei diesen schönen Höhenwegen.
Nun mal an den Anfang:
Acht Personen besammelten sich am Samstag den 17. August 2002 am Bahnhof Lenzburg. Einige mussten sehr früh aus den Federn, denn sie mussten zuerst von Rotkreuz anreisen.
Ein Kaffee im Bistro und ab in den Zug. Die Fahrt führte nach Brig zu unserem Ausgangsort. Es war auch überall reserviert und wir reisten sehr angenehm.
Ein Bummel durch Brig am Nachmittag, zeigte uns die „neue“ alte Stadt nach den Ueberschwemmungen. Gegen Abend fanden sich noch drei weitere Mitläufer ein, pünktlich zum Nachtessen beim Italiener.

Am Sonntag gings endlich los, das Wandern. Ein Marschtempo, welches für alle angenehm war, führte uns durch eine wunderbare ursprüngliche Landschaft auf den Simplon Pass. Das waren alleine ca. 1200 Meter nur im Aufstieg. Alle waren zufrieden mit ihrem Probetag. Im Hospiz ( ein besonderes Haus ) wurden wir verwöhnt mit einem wunderbaren Nachtessen.

Montag bei Tagesanbruch starteten wir zur Königsetappe unserer Tour. Der Genuss beim ersten Halt auf dem Bistinepass, nach diesem langen Anstieg war riesig. Mittagsrast im Oberen Fulmoos, in verträumter Landschaft neben Gletscher, Wasser und dem Fletschhorn.
Danach führte der Weg der Heido - Wasserleitung entlang bis zum Gebidumpass. Hier wird die grosse Arbeit sichtbar, damit wir im Tal sauberes Wasser aus dem Wasserhahn fliessen lassen können. Wunderbare, aber nicht ganz klare Aussicht auf die Walliserberge haben wir auf dem Pass. Letzte Etappe nach Gspon forderte noch einige Kräfte ab. Rauf und runter bei rechter Hitze. Als das Lärchenwäldchen beginnt, wusste ich, dass wir kurz vor Gspon sind. Grosse Getränke in der grossen Gartenwirtschaft warteten auf uns. Das Abendessen ( nur für Gourmetfreunde ) erfreute alle Sinne in uns. Ist noch eine kulinarische Steigerung möglich?

Eine gemütliche Tour am Dienstag  in Richtung Saas Fee. Aber das Frühstück war schon derart üppig und grandios, dass das Anfangstempo gemächlich war. Durch das Dorf Finilu, noch ein echtes kleiner Walliserdörflein, ging unser Weg. Vorbei an einem gut ausgewaschenen Bachlauf, der vor drei Jahren gesperrt war, weil soviel Schutt runtergespült wurde. Jetzt führt die Wasserleitung auf einer Hängebrücke, hoch über dem Bach durch. Die lieben Männer auf der Schwarzwaldalp erwarteten uns bereits. Sie kennen die Ankunftszeiten der Wanderer ziemlich genau. Bei unserem Marschtempo durch Finilu haben sie noch mit einer Stunde gerechnet und es war perfekt. Kräutertee spezial mit ............., wir haben das avec bis heute nicht definiert. Es wird wohl noch einige Kostproben erfordern. Ein gut ausgebauter Höhenweg bis zum Jänziboden. Hier treffen wir erste Eringer – Kühe. Eine wollte unbedingt etwas von unserem Lunch. Beim Kaffeehalt im Heimischgartu regnete es ganz leicht die ersten Tropfen. Wir schaffen es trotzdem, trocken in Saas Grund einzutreffen. Das Postauto führt uns zum Etappenort Saas Fee. Gerade so richtig eingenistet und umgezogen regnete es draussen. Wir tauchen ein ins Getümmel des berühmten Ferienortes und sehnen uns nach der Ruhe der vorangegangenen Tage. Das Nachtessen mit Live Musik beendet diesen Tag.

Mittwoch ist Ruhetag. Ein Besuch im Alpinen Museum beeindruckt alle Teilnehmer. Gegen Mittag fahren wir mit dem Postauto und dem Zug nach Grächen. Gleichzeitig zeigt sich die Sonne wieder am Himmel und es ist sehr warm im Tal unten. In Grächen erwartet uns fünf Frauen eine Rückenmassage. Eine echt feine Sache! Drei Herren besuchen die Hannigalp. Ein toller Apero wird uns noch offeriert und wir geniessen den wunderbaren Abend. Die Vorfreude für den nächsten Tag ist richtig spürbar.

Donnerstag erster Teil des Europawegs.  Rund 1000 Meter Aufstieg erwarten uns. Auch dies wird meisterlich bis zum Hl. Bernhard marschiert. An diesem frühen Morgen pfeifen die Vögel um die Wette. Es ist einfach  traumhaft schön hier. Auch erwarten uns Walliserziegen, eine lustige Rasse. Nach der langen Pause sind alle wieder gerüstet um den Weg mit grossen Felsblöcken und schmalen Wegen unter die Füsse zu nehmen. Einige Etappen sind steinschlaggefährdet und immer wieder hat es Eis vom Morgentau auf den Steinen. Total diszipliniert und konzentriert meistern wir diese Passagen. Eine wohlverdiente Rast beim Galenberg mit guter Ausssicht auf einige Viertausender belohnt uns für die Mühe. Danach wird die Hängebrücke auch von uns noch eingeweiht. Daneben liegt ein Steinbock inmitten der Felsen und kümmert sich überhaupt nicht um uns. Schon bald ist die Europa Hütte  vor unserer Nase. Etappenhalt in dieser neuen Hütte, welche nur für den Europaweg gebaut wurde. Es war wahrscheinlich eine schnelle Entscheidung, denn die Hütte ist zu klein gebaut worden. Die sanitären Anlagen sind zu eng und haben zuwenig Plätze. Dafür entschädigt die tolle Terrasse, mit grandioser Aussicht, diese Mängel.

Der Hüttenwart kommt nur für unser Frühstück früher aus dem Bett am Freitag Morgen. 2. Teil Europaweg. Der erste Gefahrenbereich mit rutschiger Felsmasse wird schnell und total meisterhaft durchgangen. Erleichterung bei der Tourenleiterin im Grünen Garten. Nun folgen wir einem Weg, der bereits gut ausgebaut ist. Trotzdem immer wieder Steinschlaggefahr, dunkle Tunnels und rutschende Bachtobel. Am frühen Morgen ist die Tierwelt noch recht aktiv. Einige Gemsen werden von uns aufgescheucht und wir beäugen uns gegenseitig. Dazu können etliche Edelweiss am Wegrand bewundert werden. Durch das Täschgufer mit Tunnelröhren und Kopfüberdachungen ist gut abgesichert gegen Steinschlag. Danach heisst es wieder aufwärts gehen in Richtung Täschalp. Man hat das Gefühl, der Anstieg ende niemals. Plötzlich überholt uns ein Jogger locker im Aufstieg. Ja nun sehen wir auch die Häuser der Täschalp. Im Restaurant wird natürlich eingekehrt. Verschiedene Piercings werden bei der unscharmanten Bedienung studiert. Nun folgt ein schöner Wanderweg bis Zermatt. Es ist ein wahrer Genuss – Höhenweg. Jetzt begegnen uns auch wieder vermehrt  Wanderer. Dies nach Tagen, wo wir kaum jemanden auf unseren Wegen kreuzten. Erneute Einkehr in Tufteren mit Aussicht auf Zermatt. Nur die Berge sind mit Wolken eingepackt. Jetzt nehmen wir die letzte Stunde  in Angriff. In Findelen beim Vrony werden wir willkommen geheissen. Fototermin ist angesagt und alle freuen sich über die tolle Leistung während der letzten Tage. Musik und Gesang sind noch in unseren Ohren im Abstieg nach Zermatt. Und man glaubt es nicht, aber hier müssen wir noch den Regenschirm auspacken. Wirklich, Petrus wir bedanken uns bei dir, für das tolle Wanderwetter. Du hast deine Arbeit gut gemacht. Der Rummel in Zermatt ist wirklich ein Schlag ins Gesicht, nach der Ruhe beim Wandern. Ein tolles Nachtessen beim Giuseppe beendet unsere Ferienwoche.

Am Samstag ist Rückreisetag. Jeder verabschiedet sich auf seine Art von Zermatt.

Immer wieder haben wir tolle Menschen am Wegrand getroffen. Die Bruderschaft im Hospiz mit ihrem hohen Altersdurchschnitt. Eine Wirtin mit Kampfkühen und ein Koch mit unbändiger Freude an seinem Beruf in Gspon. Liebenswerte Cousins auf der Schwarzewaldalp, die mit dem Wort Gastfreundschaft umgehen können. Eine Hotelier Frau in Saas Fee mit ihrem Begrüssungsdrink. In Grächen Frau und Herr Ruff, welche vom Leben geschüttelt wurden und trotzdem eine unschlagbare Liebenswürdigkeit und viel Vertrauen für uns hatten. Der Hüttenwart der Europa Hütte, welcher nicht sofort den rechten Ton fand, aber bis zur Verabschiedung gings dann ganz gut. In Zermatt einen Giuseppe mit seiner Crew und seiner Grossszügigkeit und seinen vielen Schwestern.

Nun noch zu meinen Wanderfreunden in unserer Teilnehmergruppe. Laut Markus hat Bruno 732 mehr oder weniger sinnvolle Sprüche losgelassen. Markus ( der Sprüchezähler ) trug die ganze Woche seine Ukulele mit für einen tollen Liederabend. Er hatte auch im Rucksack die Sicherungsseile für den Notfall. Zum Glück wurden sie nie gebraucht! Ruth soll laut Zählung nur einen, aber guten Spruch gemacht haben. Elisabeth hat uns mit dem Aperô im Ferienhaus überrascht. Ruedi wollte partout in keinem See am Wegrand baden. Sylvie wusste immer bestens Bescheid über unsere folgende Route. Bäre testete auf dem Weg nach Saas Fee noch seine Kondition ( und die von Ruedi auch noch gleich ). Werni denkt es sei seine letzte mehrtägige Tour gewesen, denn seine Hüfte grüsste zwischendurch schmerzlich. Lucia hat dafür ihre erste Wanderwoche hinter sich und es wird hoffentlich nicht die letzte sein. Theo war unser Höhenmeter und Marschzeiten - Spezialist.

Euch allen einen lieben Dank für die tolle Wanderwoche. Dank eurem vorbildlichen Verhalten hatte auch die Tourenleiterin eine ruhige friedliche Ferienwoche. Den Stein werde ich öfters am Hals tragen. Zu anderen Zeiten wird er in meinem Herzen plaziert sein.

Eure Tourenleiterin
Helene Ruchti – von Ah