Eine Tour der Naturfreunde Maiengrün

Klettertour Zervreilahorn (2862m) - ein Versuch!

30./31. Juli 2002
 

Wouw - was für ein Gipfel! Noch selten habe ich einen Berg dermassen gegen den Himmel stechen sehen. Wie ein Nagel steht der Felsturm hinter dem Zervreilasee und wächst aus den ihn umgebenden grünen Alpen. Von der Seite verliert er seine turmartige Form. Mit seinen mächtigen Felswänden und seiner Gliederung aus gigantischenTürmen und Klötzen ist er aber nicht minder eindrücklich.

Der Tourenleiter hatte zum Angriff geblasen und 3 weitere kamen - darunter auch Kletter-Novizen. So machten sich Bäre, Martin, Theo und derjenige an der Tastatur auf die Fahrt nach Ilanz. Danach führte uns der Weg durch Vals, dem hübschen Walserdorf mit seinen mit Schiefer gedeckten Häusern. Hinter dem Dorf wurde das Tal immer enger bis wir endlich beim Gasthaus Zervreila nahe der Staumauer des gleichnamigen Sees ankamen.

Hier wurden wir bestens untergebracht und wir genossen einen schönen Abend bei guter Küche im heimeligen Arvenstübli.

Um 05:00 Uhr am andern Morgen gab es Frühstück. Ein kurzes Stück bis zur Kapelle Zervreila benutzen wir noch das Auto. Dort wurden die Rucksäcke geschultert und in der Morgendämmerung schritten wir los.

Die Abzweigung von der Strasse am See Richtung Zervreilahorn verpasste unser Tourenleiter, geriet in eine Sackgasse  und ermöglichte so den Teilnehmern ein ausgiebiges Studium von Staudenhängen, darunter versteckten Bachläufen und heimtückischen Löchern. Immerhin stiessen wir schlussendlich wieder auf den Weg. Die Gämsen werden sich wohl auf die Schenkel geklopft haben vor Lachen.

Bei unserer ersten Rast kurz unterhalb des Einstieges wurden wir begeistert empfangen. Zwanzig Ziegen und zwei Schafe kamen daher gerast als ginge es um Leben und Tod, dabei erfüllte der helle Klang ihrer Glocken das ganze Tal. Hätten wir die Tiere nicht daran gehindert, wären sie wohl kopfüber in unsere Rucksäcke gestiegen.

Bis zum Einstieg wurden im Führer zwei Varianten beschrieben. Eine erste über Grasbänder, eine zweite war kletternd zu bewältigen. Wir waren ja zum Klettern gekommen und so wählten wir diese zweite aus. Nach einer halben Seillänge zeigte sich jedoch, dass diese Passage ziemlich schwierig (ca VI) und auch noch feucht war. So benutzten wir schlussendlich doch die Grasbänder zum Einstieg.

Die Route war gut abgesichert mit Bohrhacken und die Standplätze waren vorzüglich ausgerüstet, sodass das Klettern eine sichere Sache war. Mit Genuss ging es aufwärts über Platten, exponierte Kanten, durch Kamine und Risse. Immer mehr Luft war unter unsern Füssen. Irgendwann hoch oben am ausgesetzten Grat kam dann was nicht hätte sein müssen. Ein kurze, abdrängende Verschneidung war Endstation für den Seilzweiten - kein Durchkommen. Inzwischen hatte sich auch das Wetter verändert. Wind war aufgekommen und drückte drohende Wolken an den Berg. Das erleichterte den gemeinsamen Entscheid: Umkehren.

Wie schon erwähnt waren die Standplätze gut ausgerüstet. So wurde das Abseilen zum Genuss, wo wir vor kurzem noch schwitzend und nach Griffen suchend hinaufgestiegen waren. Nach dem Wechseln des Schuhwerkes (Kletterfinken aus-, Bergschuhe anziehen) erreichten wir bald den See - emsige Diskussionen verkürzten uns den Weg. Durch die Backofenhitze und schwüle Luft ging es jenseits wieder hinauf zum Auto. Martin fuhr uns durch einige Staus gesund nach Hause.

Ziel nicht erreicht! Das ist nicht weiter schlimm. Wir werden daran arbeiten, entsprechend trainieren und übernächstes Jahr wiederkommen. Das ist schon beschlossene Sache.

Der Tourenleiter
Markus