Eine Tour der Naturfreunde Maiengrün

Hochtour
- Rimpfischhorn (4198 m)
- Fluehorn (3317 m)

18. - 20. August 2003

Mit der Bahn fuhren wir am Montag nach Zermatt. Obwohl sich einige unter dem Schirm versteckten, ertrugen wir den leichten Regen ohne mit der Wimper (oder schreibt man in Zermatt Whymper?) zu zucken. Nach einem kleinen Mittagessen stürmten wir zur U-Bahn und mit dieser nach Sunnegga hinauf.

Wer mehr über das Pickel-Intermezzo wissen will, soll die Teilnehmer fragen, ich will hier nicht petzen. Mit dabei waren Bäre, Martin und Theo.

Wie gesagt, das Pickel-Intermezzo verzögerte unsere Weiterfahrt nach Blauherd für kurze Zeit. Doch schliesslich trafen wir auch dort oben ein und marschierten los zu unserer Unterkunft, dem Berghaus Flue hinter dem Stellisee. Am See trafen wir auf die Ausstellung mit den 1000 Müllmenschen von HA Schult - speziell, eigenwillig, aber mit einem gewissen Charme.

Die Figuren konnte man immerhin sehen, im Gegensatz zu den Bergen, die sich geziert in Wolken gehüllt hielten. Am nächsten Morgen um 04:40 Uhr, als wir losmarschierten, war der Himmel wolkenlos und der Mond erlaubte das Marschieren ohne Stirnlampe. Nachdem wir schon am Abend vorher die erste Stunde des Weges erkundet hatten, kamen wir gut voran. Bald schon konnten wir die Steigeisen montieren und über den Längfluegletscher zur ersten Felsbastion aufsteigen. Auch diese wurde in leichter Kletterei oder auf Wegspuren überwunden. Dann standen wir auf der Firnkuppe darüber und damit erstmals oberhalb 4000m. Ein kleine Mulde und ein Gegenanstieg führten uns ins Couloir, durch welches der W-Grat des rechten Gipfels betreten wird. Hier lag noch ziemlich viel Neuschnee, was uns bewog, vorerst mit Steigeisen die ersten Felsen zu erklimmen. Weiter oben bewältigten wir die Kletterei im II. und III. Grad ohne diese. Viele Stellen, die normalerweise problemlos zu bewältigen wären, waren wegen Schnee und Eis recht heikel.

Ein kleiner Sattel brachte uns zuletzt hinüber zum Hauptgipfel des traumhaften Aussichtsberges. In der Schweiz gibt es wohl nur noch wenige 4000er, die von diesem Gipfel aus nicht zu sehen sind. Bis hinüber zum Mont Blanc ging der Blick und sogar das Matterhorn hatte seine Wolkenmütze abgelegt und tief unten sahen wir das Berghaus Flue. Auf dem Gipfel fand Theo den Schlüssel eines BMW - doch weit und breit kein Parkplatz. Ein Umfrage unter den vielen Bergsteigern unterhalb auf dem Grat ergab schliesslich, dass tatsächlich jemand einen Schlüssel vermisste.

Mit äusserster Vorsicht bewältigten wir den Abstieg und erreichten wohlbehalten die Hütte - rechtschaffen müde. Bereits um neun Uhr (!!) lagen wir alle in den Federn. Die einen schlafend, die andern sich wälzend. Schnell war es morgen und um 05:30 Uhr sassen wir beim Frühstück.

Danach stiegen wir auf in den Sattel nordwestlich der Spitzi Flue. Von hier aus überkletterten wir den vollständigen Schwarzgrat bis hinüber zum Fluehorn. In luftiger Höhe überstiegen wir Türme und Platten, immer mit viel Luft unter den Füssen. Vom Gipfel stiegen wir ab in den Sattel vor dem Oberrothorn und weiter schräg hinunter über Schutt und Felstrümmer gegen den Stellisee. Eine Gemse präsentierte sich auf einem Felsen wie in Stein gehauen.

Nachdem wir im Berghaus Flue die zurückgelassenen Sachen in den Rucksack gepackt hatten, liessen wir uns einen Besuch "chez Vrony" in Findeln nicht nehmen. Nach einem guten Bier war der restliche Abstieg nach Zermatt schnell geschafft - und alle hatten den Pickel dabei!?!

Es waren zwei Touren bei herrlichstem Wetter - hier einmal ein Dankeschön an Petrus. Das schwierigste in diesen Tagen war das überwinden der Gräben, welche Bauarbeiter durch die ganze Gegend zogen, wohl zur Bewässerung der Skipisten im Winter. Man wird den Eindruck nicht los, dass der Wintertourist hier deutlich mehr zählt, als der einfach Wanderer im Sommer, sonst hätte man bestimmt da und dort eine Notbrücke über die tiefen und steilen Baggerschaufelspuren gelegt.

Der Tourenleiter,
Markus Widmer