Eine Tour der Naturfreunde Maiengrün

Hochtour
- Wetterhorn (3701 m)
- Mittelhorn (3704 m)

9. / 10. August 2003

Das war nun also der vierte Anlauf auf den Gipfel des Wetterhornes. Bisher scheiterten wir immer am Wetter, das uns eigentlich beim aktuellen Versuch in diesem speziellen Sommer keine Probleme machen sollte. Mit dabei waren diesmal Bäre, Theo, Martin, Philipp und der Schreibende. Der Hüttenweg führte uns vorbei an der tosenden Rosenlauischlucht, durch lichten Wald, über die schmale Moränenkante des Rosenlauigletschers (kaum mehr vorstellbar, dass dieser Gletscher einmal das ganze Tal ausgefüllt hat) und über die Felsen hinauf zur Dossen-Hütte SAC, welche auf dem schmalen Grat sitzt. Hier genossen wir noch etwas die Sonne und besahen uns den Aufstieg bis zum Dossensattel. Die kleine Hütte war bis auf den letzten Platz gefüllt, wir sassen Rücken an Rücken.

Die Nacht verging schnell und um 03:30 Uhr sassen wir beim Frühstück, in Gedanken war wohl jeder bereits unterwegs. Im Lichte der Stirnlampen setzten sich die verschiedenen Gruppen in Bewegung. Nach einer Stunde hatten wir bereits den Dossensattel erreicht. Duch das Schuttcouloir hinunter erreichten wir den Rosenlauigletscher in der Morgendämmerung. Nun galt es zuerst einmal, diesen riesigen Gletscherkessel zu queren, ohne Bekanntschaft mit einer der zahlreichen und mächtigen Spalten zu machen. Auf dem Wellhornsattel machten wir unsern ersten Halt um uns zu stärken. Vor uns lag nun das Wetterhorn und wir konnten den weiteren Aufstieg einsehen. Den direkten Aufstieg über den Hengsterengletscher zum Wettersattel versperrte eine gewaltige Spalte, die sich quer durch das ganze Tal zog. Wir mussten diese am linken Rand umgehen, genau unter einem Eisbruch hindurch - ein unangenehmes Gefühl.

Vom Wettersattel an ging es steil hinauf durch Geröll und über Felsbänder. Da wir nicht alleine unterwegs waren, mussten wir das Gelände mit dutzenden von Bergsteigern teilen. Diese hatten scheinbar etwas gegen uns, denn immer wieder warfen sie mit Steinen nach uns. "Achtung Stein" war in dieser Flanke oft zu hören.

Doch endlich standen wir auf dem Gipfel des Wetterhornes - endlich, beim vierten Versuch. Die Aussicht war wirklich unvergleichlich und wir schüttelten uns glücklich die Hand: "Berg frei"!

Den Abstieg bewältigten wir in aller Vorsicht. Wir brauchten dafür fast doppelt so lange wie für den Aufstieg. Im Sattel schnallten wir wieder die Steigeisen unter die Füsse (das haben wir an diesem Tag etliche Male geübt) und machten uns an den Aufstieg zum 3 Meter höheren Mittelhorn. Der Gletscher wurde immer steiler und der Firn wurde von Eis abgelöst. In leichten Felsen erreichten wir auch den Gipfel des Mittelhornes - etwas mehr als 2 Stunden nach Erreichen des Wetterhornes. Hier hatte man noch mehr als auf dem Wetterhorn das Gefühl, mitten in der Eiswelt des Berner Oberlandes zu stehen.

Inzwischen war es Mittag geworden. Nach einer kurzen Stärkung betraten wir die Firnrippe des Nordostgrates (inzwischen hatten wir bereits wieder je einmal die Steigeisen aus und wieder angezogen). Der Vergleich mit dem Bianco-Grat wurde herangezogen - nicht so lang, aber so schön! Nach ca 200 Metern wurde der Firn durch Felsen abgelöst und in luftiger Höhe stiegen wir über den Grat hinunter. Irgendwo unterwegs sahen wir einen der schönsten Vögel der Schweiz, den Mauerläufer, der auf dieser Höhe in unwirtlicher Gegend sein Dasein fristet.

Etwas heikel gestaltete sich der Ausstieg vom Grat auf den Rosenlaui-Gletscher. Stellenweise war das ganze Gelände in Bewegung. Doch in alter Routine wurde auch diese Passage gemeistert.

Nun wurde es brutal - heiss! Auf dem Rückweg durch den Gletscherkessel des Rosenlaui brannte die sengende Sonne mit voller Kraft und beim Aufstieg zum Dossensattel verloren wir den Schweiss gleich literweise. Vermutlich hätte ein aufmerksamer Fährtenleser unserer feuchten Spur folgen können. Schlussendlich blieb uns noch der steile Abstieg hinunter zur Dossenhütte, wo wir unverzüglich daran gingen, die verlorene Flüssigkeit wieder nachzufüllen.

Dermassen erfrischt nahmen wir den Hüttenweg unter die Füsse (und teilweise die Hände, es ging doch ganz zünftig abwärts) und erreichten am Abend um 18:45 Uhr unsere Autos im Rosenlauital. Obwohl wir schon spät dran waren, legten wir unterwegs einen Kaffeehalt ein um nochmals von der Tour zu schwärmen - hart aber schön.

Allen Teilnehmenden sei an dieser Stelle ein Kompliment ausgesprochen für die erbrachte Leistung, waren es doch ca. 2700 Höhenmeter, die wir an den beiden Tagen hinauf stiegen und am Sonntag an einem Stück nach unten - die Knie lassen grüssen. Gestartet sind wir am Morgen um 04:15 Uhr und beim Auto waren wir Abends um 18:45. So viele Schritte kann man gar nicht zählen ;-)

Der Tourenleiter,
Markus Widmer

PS: Übrigens kam der wummernde Bass, den wir beim Aufstieg zum Wetterhorn hörten, von der lauten Musik der Berg-Parade, welche an diesem Sonntagmorgen auf Lungern-Schönbühl stattfand. Ich muss zugeben, zuerst fragte ich mich, ob mein Herz am durchdrehen sei!