Grindelgrat (2329m)

(1.) 8. April 2000

Am Samstag waren wir schneller als das Wetter - es hatte keine Chance, nochmals schlecht zu werden. Nach den miesen Tagen im Avers und dem misslungenen Versuch am 1. April, den wir bei misslichstem Wetter auf dem Brünigpass abbrachen, war dieser 8. April doch ein kleines Trostpflaster.

Um 6:40 Uhr starteten wir bei der Schwarzwaldalp im Rosenlauital. Viele Leute, wenig Schnee! Auf den ersten hundert Höhenmetern mussten wir einige Male auch Gras unter den Skiern akzeptieren - kein Problem mit dem richtigen Wachs!

Inzwischen begann auch die Sonne die gewaltige Bergkulisse rot einzufärben. Eiger, Mönch und Wetterhorn erstrahlten im ersten Tageslicht, begleitet von begeisterten Rufen aus unserer Gruppe. Diese bestand aus Renate, Hansueli, Hanspeter (unserem Hof-Fotografen), Bäre und dem Youngster Christian sowie dem Schreibenden.

Inzwischen waren wir auf ca 2100m aufgestiegen. Der Schnee wurde glasig, was einigen Anlass zu knurrigen Bemerkungen war. Zum Glück querte ein Rudel Gemsen den Hang und lenkte uns von unsern Problemen ab. Schlussendlich erreichten wir den Gipfel dieses 'kleinen' Berges mit der 'grossen' Aussicht. Die Kulisse der weissen Gipfel schien endlos und kontrastierte mit dem tief unten liegenden Lungernsee und dessen frühlingshaften Umgebung. Dies sind die Augenblicke, die für den Bergsteiger zum Inhalt seiner Träume werden.

Weit über eine Stunde genossen wir die Wärme der Sonne. Dann war die oberste Schneeschicht soweit aufgeweicht, dass die Abfahrt Genuss versprach. Und das war sie dann auch. Keine Skipiste kann einfacher zum Fahren sein als ein solcher Frühlingsschnee. Sogar die letzten Meter vor der Strasse konnten auf zusammenhängenden Schneefeldern gemeistert werden. Christian und Bäre versuchten eine eigene Linie und landeten in der Wiese - was jede Waschmaschine problemlos vergessen machen kann.

Dass wir anschliessend unsern Durst beim neuen Wirt der Schwarzwaldalp löschten, braucht hier nicht extra erwähnt zu werden. So sassen wir denn an der Sonne auf den Stühlen mit Wolldecken und entschlossen uns, die Skier noch nicht wegzuräumen. Ein oder zwei Touren werden schon noch drin liegen - sofern auch Petrus mitspielt.

Als Tourenleiter unterliegt man bestimmt der Versuchung, eigene Touren in bestem Licht zu beschreiben. Ich kann jedoch nicht anders als auch diesmal begeistert zu schwärmen, zumal alle gesund nach Hause kamen.

Markus