Hüenerchopf (2171m)

12. 2. 2000

Als wir zu fünft in Theos Auto die steile Strasse von Mels (540m) nach Vermol (1100m) hinauffuhren, beschlichen uns langsam Zweifel, ob in diesem Teil der Schweiz überhaupt irgendwo Schnee lag. Erst beim montieren der Schneeketten auf ca 1000 m zerstreuten sich diese wieder.

Nun standen wir also in Vermol im dicken Nebel. Der Tourenleiter entschied sich für eine Variante, welche so im Führer nicht beschrieben ist - nicht ahnend, dass dieser Entscheid sich später in doppelter Hinsicht als richtig erwies. Durch verschneiten Wald, bei Sichtweite gegen null, glich der Aufstieg einer stillen Andacht. Wir waren allein in einer kleinen, hübschen Welt.

Eine Alphütte auf 1392m bestätigte uns, dass wir auf dem rechten Weg waren. Kurz oberhalb stiessen wir dann auf die Normalroute und auf Menschen. Darf hier nochmals erwähnt werden, dass dies alles in stockdickem Nebel stattfand!

Der lange Stall bei Pkt 1735 war der letzte Fixpunkt. Danach wurden die Bäume rar und hinten, vorne, links, rechts, unten und oben war es einfach weiss (hatten wir den Nebel schon erwähnt?). Nun wurde es schwieriger, da es keinen Anhaltspunkt mehr gab, an dem sich vergleichen liess, ob wir noch aufrecht gingen. Die Spur, die wir nutzten, musste kritisch beurteilt werden. Wer wusste schon, wohin derjenige wollte, der diese Spur gelegt hatte. Mehr erfühlt als gesehen tauchte der gemäss Karte zu erwartende Rücken vor uns auf, über welchen wir nun westwärts aufstiegen (hier sei ein letztes Mal der Hinweis auf den dicken Nebel erlaubt).

Und plötzlich geschah das Unglaubliche. Für einige Momente lichtete sich der Nebel (siehe weiter oben im Text) und gab den Blick auf den sonnenbeschienen Gipfel frei. Davor lagen unglaublich glitzernde Hänge, die nur von der Aufstiegsspur unterbrochen waren. Ein bizarres und faszinierendes Bild. Hoffentlich gelang es unserem Fotografen Hanspeter, diese Stimmung einzufangen.

Über einen schmalen Grat, der unseren beiden Youngstern (Matthias, 11 und Christian, 15) etwas Herzklopfen bereitete, erreichten wir das Skidepot und von dort zu Fuss den Gipfel.

Hier zeigte sich, dass dieser Berg das Prädikat 'beliebter Skigipfel' scheinbar zu recht trägt. An diesem Tag wurde er von schätzungsweise 100 Personen besucht.

Nun sassen wir also auf dem Gipfel an der Sonne und starrten ins Nebelmeer unter uns, und natürlich auch auf die herrlichen Bündner-, Österreicher- und Italiener-Alpen. Keiner hatte Lust, bei diffusem Licht abzufahren. Schliesslich hob sich der Nebel etwas (wohl mehr durch die Sonne als durch das Starren), sodass mit etwas Sicht gerechnet werden konnte. Wir nahmen also die Abfahrt unter die Skier.

Was zwischen Gipfel und Vermol an Hängen vorkam, kann je nach Alter mit folgenden Begriffen qualifiziert werden: bäumig, super, mega, geil, fett! Echt wahr - ein Pulverschnee vom feinsten.

Bei der schon beim Aufstieg erwähnten Hütte auf 1392m trennte sich unser Weg von der Masse der andern Skifahrer. Wir waren allein und hatten nochmals rassige Hänge vor uns - in doppelter Hinsicht gut.

Insgesamt kann dieser Berg als wunderschönes Tourenziel bezeichnet werden - unten Schneisen im lichten Wald, oben alpine Verhältnisse, gekrönt von einer herrlichen Aussicht.

Also, auf ein nächstes!
Der Tourenleiter