4 Tage Sella-Gruppe in 5 Kapiteln
Il Chapütschin (3386m)

12. - 15. 7. 2000
 

1. Der Sommer, der sich selbst nicht kannte

Der Wetterbericht machte wieder einmal Mut - Wetter um in die Südsee auszuwandern.

Alle 9 angemeldeten Teilnehmer traten jedoch den Weg ins Engadin an. 7 mit der Bahn, 2 mit dem PW. Die Hüttenwartin Irma hatte uns informiert, dass bei der Hütte ca 15 cm Neuschnee lagen. Wir waren also nicht überrascht, als wir die Corvatschbahn bei Murtel verliessen und auf eine winterliche Landschaft stiessen. Der 'Bähnler' lud uns auf die schweren Rucksäcke noch Fleisch und Gemüse für die Coaz-Hütte. So stapften wir denn los. In der Furocla Surlej stiessen die beiden Letzten zu uns.

2. Die Expedition

Mit der Schneehöhe hatte die Hüttenwartin nicht zu viel versprochen. Wir entschieden uns am Abend für den Il Chapütschin, damit die Schnee-Stampferei nicht allzu lange dauern sollte.

Um 05:30 Uhr gab es Frühstück. Punkt sechs Uhr zogen wir los. Zuerst war der Schnee nur schuhtief, die Menge wuchs jedoch mit jedem Höhenmeter an und auf dem Gletscher versanken wir zeitweise bis zu den Hüften. Obwohl wir uns ablösten beim Spuren, war das ganze ziemlich anstrengend. Auf 3100m entschieden wir uns zur Umkehr. Wir wollten den Rest am nächsten Tag in Angriff nehmen.

Am andern Morgen erreichten wir in 1.5 Stunden jene Stelle, wo wir am Vortag umgekehrt waren. Die Sonne hatte den Schnee inzwischen etwas kompakter gemacht; wir sanken beim Spuren nur noch bis zu den Knien ein. Der Gipfelgrat zeigte nochmals, was hier Winter bedeutet. Brusttief lag stellenweise der Schnee. Doch nun konnte uns nichts mehr aufhalten. Den Gipfel erreichten die beiden Frauen als erste (Mann liess ihnen den Vortritt).

3. Der Gipfel

Vieles lässt sich planen, doch dass das Schneetreiben auf dem Gipfel für 10 Minuten aufhörte und die Sicht frei wurde auf die Bündner Berge, die Bergeller Gipfel und die italienischen Alpen mit dem Monte Disgrazia war nun wirklich Zufall. Das Licht, der tief verschneite Gipfel - ein fantastisches Erlebnis (oder ist doch etwas dran am Spruch: Wenn Engel reisen...).

Der Abstieg war weit leichter als zu erwarten, obwohl Vorsicht geboten war, da unter dem Schnee häufig tückische Platten lauerten, auf denen man ausrutschte. Teilweise waren die Spuren vom Aufstieg bereits wieder zugeweht, doch im Abstieg fällt das Spuren leichter.

Ein (weiteres) herrliches Nachtessen von Irma schloss den Tag ab. Wir entschieden uns, bei diesen Verhältnissen bereits am Samstag heim zu reisen.

4. Der Tourenleiter

Für den Tag der Heimreise war die Tagwache auf 07:07 Uhr angesetzt. Doch bereits um halb sieben Uhr waren einige Teilnehmer dabei, den Rucksack neu zu sortieren und zu packen. Das war dem Tourenleiter zu viel! In leichtem Zorn darüber, dass auf die noch schlafenden nicht Rücksicht genommen wurde, forcierte er nun seinerseits das Packen und drängte zum Abmarsch. Das war nun wiederum für einige Teilnehmer unverständlich. Schlussendlich blieb am Ende dieser Tage in der Coaz-Hütte eine gewisse Miss-Stimmung zurück.

5. Die Stimmung

Erstmals machte sich am Ende einer Tour anstelle von Freude, Stolz und Zufriedenheit eine eher gedrückte Stimmung breit. Dem Tourenleiter gab hauptsächlich zu denken, dass er Nerven zeigte, dass er am Morgen nicht Ruhe bewahrte sondern dem Ärger Überhand liess! Vielleicht ist es für ihn an der Zeit, nach bald 18 Jahren der Tourenleitung einmal eine Denkpause einzulegen. Das wäre auch eine Chance für jemand andern, die Tourenleitung alpin zu übernehmen. Der Tourenleiter wird sicher noch ein paar mal darüber schlafen - doch solche Gedanken sind ihm gekommen.
 

Trotzdem vielen Dank an alle Teilnehmer!

Markus (der Tourenleiter)