Tieralplistock (3383m)

1. / 2. Juli 2000

Als das Datum dieser Tour näher rückte, hatte ich wahrlich das Gefühl, im falschen Film zu sein. Waren wir in den letzten Jahren jeweils zwischen 6 und 8 Personen auf den Hochtouren, versammelte sich diesmal eine Gruppe von sage und schreibe 22 Personen. Das hatte zur Folge, dass die Tour nicht wie geplant auf das Gwächtenhorn führte (zu wenig Platz in der Tierberglihütte). Es musste eiligst ein neues Ziel gefunden werden - als erste Bedingung mit genug Betten.

So landeten wir auf der Furka wo wir im alt-ehrwürdigen Hotel Belvedere unsere Zimmer bezogen. Am Samtag teilten wir die Truppe auf. Die eine Hälfte wanderte auf das Klein-Furkahorn - wobei anschliessend sehr darüber disputiert wurde, ob das nun tatsächlich noch eine Wanderung oder schon eine Klettertour war. Letzteres absolvierte die andere Hälfte der Gruppe auf dem SW-Grat, welcher ebenfalls auf das Kleine Furkahorn führt. Die Kletterei bewegte sich im II - III Grad, war teilweise ausgesetzt und immer in bestem Fels.

Kurz vor dem Ziel bekam es der Tourenleiter mit der Angst zu tun und trat in einer Scharte die Flucht vor dem drohenden Gewitter an. Dieses wurde jedoch in der Folge nicht durchgeführt. Trotzdem war es die angenehmere Variante, als bei Blitz auf einem Grat zu sitzen.

Um 03:00 Uhr trat fast die ganze Truppe zum gediegenen Frühstücksbuffet an. Dann ging es los - die alten Hasen etwas ruhiger, die Neuen wohl mit einem Kribbeln im Bauch. Bei der Eisgrotte des Rhonegletschers wurden die Steigeisen montiert. Über den langen Eisstrom, vorbei an zerborstenen Bomben und Geschossen (ob Herr Ogi noch nie etwas von Abfallverwertung gehört hat) führte der Weg ins Tälli und rechts hinauf über ein steiles Schnee-Couloir auf den Firnrücken. Das Couloir wurde von allen Seilschaften mit Bravour und viel Routine gemeistert - Kompliment. Ein herrlicher Blick in den Kessel des oberen Rhonegletschers lohnte den Krampf.

Auf dem Gipfel hatten wir gerade mal 10 Minuten Zeit um die herrliche Aussicht zu geniessen, bevor uns der Nebel die Sicht entzog. Es standen da der Galenstock, Dammastock, Oberaarhorn, Grosses Wannenhorn, Aletsch-, Finsteraar-, Lauteraar- und Schreckhorn, um nur einige zu nennen.

Der Abstieg auf dem Schnee war vergleichbar mit einem Schnellzug. Wo wir im Aufstieg mehr als 3 Stunden brauchten, war der umgekehrte Weg in weniger als einer Stunde gemeistert. Der vernichtende Hammer war danach der lange Weg über den noch längeren Rhonegletscher zurück zum Hotel Belvedere.

Die Tour war interessant und landschaftlich sehr schön - aber reichlich streng. Einmal mehr war es ein Genuss, mit diesen Kameradinnen und Kameraden in den Bergen unterwegs zu sein.
 

Markus