Naturfreunde Maiengrün

Hochtour Finsteraarhorn  11. bis  14. August 2005

(Leitung und Berichtverfasser: Philipp)

....und hier sind die    >>> Fotos dazu

Nun, begonnen hat unsere Tour ausserplanmässig schon am Donnerstag, das heisst alle Teilnehmer, um sie beim Namen zu nennen Theo, Markus, Beni (ein Onkel von mir) und ich, Philipp, trafen schon Donnerstag Nacht, den 11.8.05, beim Berghaus Oberaar ein. Bereits diese Hinfahrt stellte sich als Abenteuer heraus. Den Grimsel hoch und später nach hinten zum Berghaus hatten wir vernebelte Sicht auf ca.10m. Vorsichtiges Fahren lohnte sich, wie wir spätestens bei der Rückfahrt feststellten – die Strassen am Grimsel sind teils sehr ausgesetzt.

Gegen 21:30 Uhr erreichten wir so die Staumauer des Oberaarstausees. Theo und Markus verkrochen sich im Berghaus – träumten von einem Coupe Dänemark bei frostig feuchten 6 Grad auf der Gartenterrasse…

Ich wartete auf Beni’s Ankunft und kuschelte mich danach in meinen Schlafsack im Auto.

 

In den frühen Morgenstunden, so gegen 4:30 Uhr, beginnt unser Hüttensturm. Wir starten auf 2300m.ü.M. und unser erstes Etappenziel, das Oberaarjoch, befindet sich etwa 8km und 916hm westlich von uns.

Die Luft ist feucht und die Sicht nicht besser als am Vorabend. Die Stirnlampen zünden in eine graue Suppe. Umso eindrucksvoller ist der riesige Felsbrocken am Wanderweg, als er aus dem Nichts im dunklen Nebel auftaucht.

Um halb sieben entdecken wir plötzlich eine blaue Störung am Himmel, kurz darauf riss der Nebel auf und es offenbart sich uns eine prächtige Morgensonne mit  klarer Sicht auf die umliegenden Gipfel und das Joch.

Gegen halb zehn erreichen wir das Oberaarjoch. Sogleich eröffnet sich uns ein grossartiger Blick auf die Süd-Ostflanke des Finsteraarhorns – unser Ziel…

Nach der langen Oberaargletscherrampe durchqueren wir jetzt rechts haltend den Studerfirn. Eine kurze steile Angelegenheit - hat man die Fläche erst mal gequert. 12 Uhr, wir haben die Gemschlicke erreicht. Nun kommt in meinen Augen der interessanteste Teil des Hüttenzustieges, der Abstieg auf den Fieschergletscher. Zuerst die Gemschlicke, sie ist etwa 40 Grad steil und gespickt mit losem Gestein – d.h. Helm auf und am kurzen Seil gehen. Wir steigen trotz allem ohne grosse Probleme ab – jetzt wissen alle Teilnehmer wie man auf engstem Raum in steilem steinigem Gelände Steigeisen montiert.

Auf dem Fieschergletscher angekommen beginnt auch bald die Suche nach dem vorgesehenen Hüttenaufstieg aus Richtung Oberaar. Es bleibt beim Suchen. Wir steigen über den steilen felsigen Weg von Westen her zu. Um 14 Uhr erreichen wir die Hütte, so haben wir, mit Pausen, 9 ½ Stunden gebraucht – eine gute Zeit.

 

Der Rest des Tages gehörte diversen flüssigen Nahrungsmittelergänzungsmitteln – Bier, Milch mit Techno-Pulver, Rivella etc.

Das Nachtessen fiel feudal aus, man füllte sich den Magen, um dann zufrieden in die Betten mit flauschig warmen Decken zu kriechen.

 

Tagwache ist um 3:45 Uhr, um 4:20 stehen schon alle der Seilschaft Sektion Maiengrün vor der Hütte und sind bereit das Finsteraarhorn in Angriff zu nehmen. Das Wetter, na ja, es passt. Der Himmel ist 8/8 bewölkt und es fällt ganz leise etwas Schnee. Wir starten als erste von ca. 6 Seilschaften. Der steile felsige Teil haben wir schnell hinter uns, nun folgt der ebenfalls steile Aufstieg in den Frühstücksplatz auf 3616m.ü.M. Diverse grosse und kleine Spalten kreuzen die Route, doch der Schnee ist gut gefroren und hält. Beim Frühstücksplatz angekommen heisst es kurze Pause. Die „Verfolgerseilschaften“ schliessen auf und wir verschwinden auch schon wieder. Jetzt liegt der lange, steile und zähe Aufstieg in den Hugisattel vor uns. Ich wähle die steilste aber schnellste Route – gerade hinauf. Gefolgt von einer Zweierseilschaft erreichen wir den besagten Sattel auf 4088m.ü.M. zügig. Es schneit immer noch und ist bitterkalt geworden, was sich mit dem Wind als richtig unangenehm herausstellt. Wir seilen schnell um, von einer 4er in zwei 2er Seilschaften, kurz etwas essen, trinken und weiter geht’s. Der felsige Grat ist zum Teil mit Schnee bedeckt, doch das stört nicht weiter - wir klettern mit Steigeisen. Plötzlich taucht das eiserne Gipfelkreuz in der Gratsiluette auf - wir haben es geschafft. Wir haben den höchsten Punkt des Berneroberlandes erreicht, 4274m.ü.M. Die Sicht lässt keine Panoramasicht zu, doch das ist zweitrangig. Wir haben das Finsteraarhorn in 4 Stunden Aufstieg erreicht, das heisst die Uhr zeigt 8.35 Uhr morgen. Nach einem schallenden „Alpino“ und einem längeren Blitzlichtgewitter (alle sind ausgerüstet mit modernster Phototechnik) verlassen wir den Gipfel und blasen zu Abstieg an. Dieser erweisst sich als schnell und steil. Wiederum auf dem Frühstücksplatz wird Pause gemacht. Doch jetzt erheblich länger. Wir warten auf schönes Wetter und Einsicht Richtung Aletschhorn. Und tatsächlich, der Himmel gibt immer mehr dieser einzigartigen Hochgebirgslandschaft preis.

8 ½  Stunden nach dem Start sind wir wieder in der Hütte. Jetzt heisst es wiederum bei windigem aber warmem Wetter ausspannen und aufs  Nachtessen freuen.

Das sich das Freuen gelohnt hat gilt es hier wirklich zu erwähnen, der Hüttenwart liebt seinen Job. Kurz darauf ist wieder Nachtruhe und wir freuen uns auf die „Wanderung“ zurück Richtung Oberaar.

 

3:45 Uhr, mindestens 2 Wecker piepsen. Das sonntägliche Morgengrauen erweist sich auch 45 Minuten später noch als sternenklar. Wir folgen dem Verlauf des Hüttenweges Richtung Osten. Wenig später kommen wir auf den Fieschergletscher. Wir laufen den Gletscher entlang und ich versuche Wegspuren auf der linken Seite zu entdecken, etwas zu fixiert und verbohrt wie sich herausstellt. Wir versteigen uns in unwegsames Gelände ohne den Pfad Richtung Gemschlicke zu finden. Rückzug auf den Gletscher.

Jetzt muss wieder mehr nach Gefühl als nach fixen Vorstellungen geführt werden, sag ich mir und steche bald darauf wieder Richtung Nord-Ost in die Seitenflanke der Finsteraarhornkette. Dieses Mal finden wir den Weg, er liegt oberhalb eines gewaltigen Seitentors des Fieschergletschers. Unten an der Gemschlicke angekommen ist die Devise wiederum kurz anseilen, Helm auf und Photos machen – und dieses Mal montieren wir die Steigeisen jetzt schon und nicht erst im Couloir.

Kurz bevor wir weiterwandern können holen uns noch die zwei schweigsamen Deutschen ein, drollige Kerle….

Nichts desto trotz starten wir und beginnen über das sehr steile Firnfeld aufzusteigen. Was zuerst gut läuft gerät ins Stocken als wir bloss noch Schutt unter unseren Füssen haben. Durch dieses lose Gerümpel wühlen wir uns hoch und steigen schliesslich souverän auf Richtung Punkt 3335m – die Gemschlicke.

Stark nach links ausholend durchqueren wir den Studerfirn, um so möglichst wenig Höhe zu verlieren. Bald stehen wir wieder im Oberaarjoch und sehen erstmals wieder unseren Ausgangsort. Aber auch der Blick in die Walliseralpen lohnt sich. Weisshorn, Matterhorn, Dom, Alphubel, Dufourspitze – alle zeigen sich.

Der Abstieg über den Oberaargletscher erweist sich als lang. Doch alles hat ein Ende, auch dieser Gletscher. So kommt es das wir gegen 11 Uhr bereits den Felsbrocken erreicht haben und 25 Minuten später wieder bei den Autos standen.

 

Alles in allem war es eine super Tour mit vielen schönen Bildern und Erlebnissen. Ich möchte mich hiermit nochmals bei Markus bedanken für seine Unterstützung.